Einige kennen vielleicht das Interview von Jose Mourinho über seinen ehemaligen Spieler Mario Balotelli. Dort erklärt der Startrainer wie er fast eine komplette Halbzeit auf sein bereits verwarntes Enfant Terrible einredete und ihn regelrecht anflehte keine Dummheiten zu machen, weil er keinen weiteren Stürmer im Aufgebot hatte. Resultat: Platzverweis in der 46. Minute. Ähnlich unermüdlich ermahnt SC-Trainer Kenneth Schuller vor jedem Spiel seine "Experten" den Schiri in Ruhe zu lassen und keine dummen Fouls zu begehen, doch auch die Kreisliga-"Stars" scheinen unbelehrbar zu sein. So muss der SC beim nächsten Spiel auf Serhat Akdas und Max Sommerfeld verzichten. Der eine fehlt wegen der fünften gelben Karte, der andere handelte sich nach der fünften gelben auch gleich noch die Ampelkarte ein und somit reist die Erste am Sonntag mit deutlich angespannter Personallage nach Münden.

In ähnlicher Lage kam am Freitagabend der SSV Neuhof auf die bartolfelder Baucke, denn Trainer Lakemann musste auf zahlreiche Stammspieler verzichten. Die Heimelf konnte größtenteils auf den erfolgreichen Kader der Vorwoche zurückgreifen. Das Nachbarschaftsduell wurde leider nicht das erhofft gute Spiel und letztendlich konnte der SC froh sein den Punkt mitgenommen zu haben, denn er bot die schwächste Saisonleitung.

Die Anfangsphase war noch die beste Phase der Partie. Die erste dicke Gelegenheit hatten die Gäste nach einem zu kurz geratenen Rückpass auf Florian Möller. Sturmspitze Maurice Wetzel spritze dazwischen und hatte freie Bahn zum Tor, doch Möller eilte zurück und konnte im letzten Moment per Grätsche klären (5.).
Der SC spielte kurz darauf einen ersten Angriff über den rechten Flügel, wo Akdas den Ball nach vorne trieb und nach einem Doppelpass mit Marvin Strauß Linksaußen Stefan Gebauer bediente, dessen Schuss am langen Eck vorbeisegelte (8.).
Danach begann der große Leerlauf. Neuhof blieb jedoch bei Standards durch den kopfballstarken Wetzel und die Leckel-Brüder stets gefährlich. In Defensive standen die gelb-schwarzen sicher, auch weil die Gastgeber den Esprit der letzten Spiele vermissen ließen. Nur selten ging es so zielstrebig nach vorn, wie nach der Balleroberung von Niclas Luthin, dem schlauen Pass von Strauß auf den linken Flügel zu Gebauer und dem anschließenden Pass von Akdas auf den mitgelaufenen Luthin. Der kleine Techniker schob das Leder leider Zentimeter am Tor vorbei (22.). Die Führung der Gäste entsprang - natürlich - einem Freistoß. Unstimmigkeiten zwischen Verteidigung und Torwart sorgten dafür, dass der Ball direkt auf dem Fuß von Wetzel landete, der nur noch einschieben musste (27.). Die erste Bewerbung für Arnd Zeiglers "Kacktor der Woche". HarzTor versuchte zu antworten, blieb aber zu harmlos. Somit ging es mit 0:1 in die Pause.

Nach der Pause ein ähnliches Bild. Viele Fouls, wenig Spielfluss, weil die Gäste das Spiel geschickt einschläferten. Torraumszenen? Mangelware. Zwischen den Strafräumen ging es meistens robust zur Sache. Schiedsrichter Maurice Milczewski hatte alle Hände voll zu tun, denn oftmals kochten auf beiden Seiten die Emotionen hoch. Nach genau einer Stunde gab es Freistoß auf der linken SC-Angriffsseite. Diesen trat Vincent Rudolph auf den langen Pfosten, wo Gebauer mir dem Knie auf Akdas legte, der den Ball aus Nahdistanz in den Winkel schoss (60.). Nun schien HarzTor endlich auf zu wachen. Mit mehr Selbstbewusstsein versuchte die Schuller-Elf auf die Führung zu drängen, doch außer einem Abschluss von Alexander Heitmüller nach Zuspiel von Akdas sprang nichts erwähnenswertes heraus (65.).
Danach gab es wieder mit der groben Kelle vom bunten Teller und es hagelte Karten. Nachdem Sommerfeld nach einem überflüssigen Foul mit der gelb-roten Karte des Feldes verwiesen wurde (74.), mussten die schwarz-roten die Schlussviertelstunde mit zehn Mann überstehen. Das Spiel lebte nun ausschließlich von der Spannung. Clemens Dierks bediente den eingewechselten Mohamed Diaby für die nächste Einschusschance. Lehmann im neuhofer Tor konnte entschärfen (78.).

Das Spiel neigte sich dem Ende als Fabian Leckel sich auf den Weg machte, um seine Farben nochmal nach vorne zu treiben. Der hoch aufgeschossene Mittelfeldmann konnte nahezu ungestört Richtung Strafraum durchstarten, wo er sich durch die Verteidigung tankte und Möller im Tor keine Chance ließ (87.). Das Spiel schien entschieden. HarzTor in Unterzahl und nur noch wenige Augenblicke zu spielen, doch mit einem echten "Kacktor" gelang doch noch der späte Ausgleich. Diaby wurde ein letztes Mal tief in den neuhofer Strafraum geschickt, legte ab auf den ebenfalls eingewechselten Geisler. Der Linksfuß schoss an Keeper Lehmann vorbei, doch Ekici rettete auf der Linie, von wo der Ball über mehrere Stationen wie in einem Flipperautomaten umhersprang und letztendlich vom bemitleidenswerten Ekici über die Linie sprang (93.).

Nach sechs Minuten Nachspielzeit beendete Milczweski die hitzige Partie, die mit zehn gelben und einer gelb-roten Karte zu Ende ging. Für den SC bleibt am Ende ein glücklicher Punktgewinn gegen ausgebufft spielende Neuhofer. Positiv ist, dass die junge Mannschaft weiterhin ungeschlagen bleibt. Mit nun 13 Punkten belegt der SC weiterhin Platz 5. 
Am Sonntag reist HarzTor zum formstarken SV Türkücü Münden. Anpfiff ist um 15:00 Uhr.


Für den SC spielten: Möller - Heitmüller, Rudolph, Panagiotudis, Wiegand - Sommerfeld, Dierks (85. Lampe), - Gebauer, Akdas, Luthin (68. Geisler) - Strauß (77. Diaby)

Bank: Goslar, Bernhardt

SCH gegen SSVN