Für den neutralen Bundesligainteressierten ist der Abstiegskampf ja seit Jahren der letzte Rettungsanker in Sachen Spannung. Die Bayern marschieren an der Spitze vorne weg und sichern sich spätestens im April die Meisterschaft. Also was bleibt Fans und Medien anderes übrig, als sich über das Geschehen im Tabellenkeller auszulassen. Szenarien werden durchgespielt, Mannschaften für tot erklärt, auf wundersame Weise wiederbelebt und Experten nennen die Gründe für den Niedergang oder die nicht mehr für möglich gehaltene Trendwende. Für die Spieler und Fans der abstiegsbedrohten Vereine ist die Situation vor allem eins: Nervenaufreibend.
Wer kennt die Bilder nicht? Unruhige Zuschauer, die öfter die Spielstände auf den Plätzen checken, als auf das Spiel ihrer Mannschaft zu schauen oder Männer die nach einer Niederlage literweise bittere Tränen vergießen, weil Hoffnungslosigkeit breitmacht.

Als ich am Freitag nach dem Spiel meine Trostrunde gemacht hatte und meine Mitspieler so gut wie möglich aufzurichten versuchte, spürte ich ein wenig von dieser Hoffnungslosigkeit. Ich blickte nochmal rüber zu unseren mitgereisten Unterstützern und sah unseren ehemaligen Trainer Michael Kreter unter ihnen. Er kam die Schräge herunter und nach einer kurzen Umarmung analysierten wir kurz das 2:5. Wir waren uns einig: Die Niederlage war bitter, aber verdient. Ich war nicht sehr gesprächig, was keineswegs böse gemeint war. Michael gab mir mit auf den Weg in meinem Bericht etwas zu schreiben, was den Jungs Hoffnung mache.

Also will ich nach ein paar kurzen Nächten und gedankenreichen Tagen probieren Euch zu sagen, was meiner Meinung nach Hoffnung macht:

1. Der 12. Mann

Die Unterstützung - oder neudeutsch: der Support - der Anhänger war über die ganze Saison hervorragend. Auch am Freitag waren dem SCH zahlreiche Zuschauer hinterher gereist, zum Teil sogar mit dem Fahrrad (!) - und das nicht zum ersten Mal. Sogar bis zum Meister nach Groß Ellershausen. Auch am Freitag werden zum ersten der drei Endspiele wieder viele Zuschauer da sein. Das sollte Euch beflügeln. Spürt und genießt es.

2. Motivieren statt Motzen

Diese Saison war bisher ein auf und ab. Lange ungeschlagen, dann ein total verkorkster Jahresbeginn, unerwartete Punktgewinne und verpasste Chancen einen Befreiungsschlag zu landen. Aus schweren Situationen habt Ihr immer Motivation gezogen und gezeigt, dass Ihr als Mannschaft funktioniert. Also erinnert Euch daran, was euch in guten Spielen stark gemacht hat.

3. Die eigene Hand

Trotz vieler verpasster Chancen, hat der oft gescholtene Fußballgott bei der Ansetzung der letzten Spieltage dafür gesorgt, dass Ihr es in der eigenen Hand habt. Ihr dürft zu Hause gegen zwei direkte Konkurrenten antreten und seid unabhängig von anderen Ergebnissen. Also nicht zweifeln und hadern, sondern Fakten schaffen.

4. Besser spät als nie

Mein Handy stand am Wochenende selten still, weil Ihr euch gemeldet habt. Frust abgeladen habt, euch hinterfragt und Besserung gelobt habt. Vieles davon haben die Coaches im Laufe der Saison schon oft gefordert, nun müsst Ihr euren Worten Taten folgen lassen.

Ich hoffe sowas war in deinem Sinne, Michael.

Marcel Bernhardt

Das Spiel beim RSV war von Beginn an in der Hand des Gastgebers. Dank Florian Möller stand es lange nur 1:0 für die Heimelf, die reihenweise Chancen liegen ließen. Der SCH war durch Lukas Goslar und wieder mal Vincent Rudolph gefährlich, blieb aber ohne Torerfolg.
Die Schwarz-Roten kamen wie die Jungfrau zum Kind dann doch noch zum Ausgleich. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, erkannte Schiri Nickel ein Halten am extra aus Gießen (!) angereisten Clemens Dierks und zeigte auf den Punkt. Vincent verwandelte eiskalt zum 1:1.

Zu Beginn der zweiten Hälfte konnte die Schuller-Elf das Geschehen etwas offener gestalten und ging plötzlich in Führung. Stefan Gebauer verwandelte aus der Drehung mit dem linken Fuß in den Winkel. Der RSV zog die Zügel wieder an und zog ein gepflegtes Kurzpassspiel auf. Innerhalb von vier Minuten drehten Kevin Müller und Florian Vielmäder die Partie. Wenig später bestrafte die Heimelf die nachlassenden Kräfte mit zwei weiteren Toren und siegte letztendlich auch in der Höhe verdient mit 5:2.

Am Freitag steigt das erste Endspiel für die Schuller-Elf gegen den Nikolausberger SC auf dem Barbiser Oderfeld. Wie oben schon geschrieben, hoffen wir auf Eure Unterstützung.
Anpfiff der Partie ist um 18:30 Uhr.

Für den SC spielten: Möller - Giesecke, Panagiotudis (81. D. Kajevic), Rudolph, Dierks - Henkel - Goslar (74. N. Luthin), Sommerfeld, Heitmüller, Gebauer - Akdas (81. Geisler)

Bank: Friedrich, Tutic, Bernhardt