Weit nach Abpfiff saßen wir mit einem Bier in der Breitenberger Abendsonne. In dieser Kreisligaromantik versprach ich ihm, diesen Spielbericht zu widmen. Ca. 45 Minuten vorher in der Nachspielzeit der Partie legte er einen Lauf hin, wie einst Lothar Matthäus gegen Jugoslawien bei der WM 1990 in Italien. Über den halben Platz des Mailänder Guiseppe-Meazza-Stadions hatte Matthäus den Ball getrieben und am Ende des Sololaufs unnachahmlich in die Maschen gejagt. Bastian Vogt hatte sich den ganzen Platz vorgenommen, alle Gegenspieler in seiner typischen Art stehen lassen und am Ende dieser tollen Aktion stand zum Glück nicht das wohl spielentscheidende 2:1 für Bastis Breitenberger, sondern ein Fehlpass in die Füße seines Kumpels Thomas Henkel. Ich hatte gedanklich schon abgeschlossen: "Ausgerechnet Basti", schoss es mir durch den Kopf, als er frei vor Florian Möller stand.

Zu oft habe ich Basti im Training oder Spiel während seiner Zeit beim SV Bad Lauterberg erlebt. Es war eine dieser Gelegenheiten, die er sich nicht entgehen lässt. Vielleicht war es wie bei Lukas Podolski bei der Heim-WM 2006, als er nach Zuspiel von Philipp Lahm eine riesen Möglichkeit versemmelte, wonach ihm Radiomoderator Manni Breuckmann unterstellte hatte an seine "polnische Omma" gedacht zu haben. Basti kannte den Spruch, als ich ihn darauf ansprach, was mich nicht wunderte. Vielleicht hat Basti ja an seine alten Freunde vom SV Bad Lauterberg gedacht und den Ball lieber abgespielt, anstatt uns den Todesstoß selbst versetzen zu wollen. Falls der Fehlpass und der damit verbundene Punktgewinn uns am Ende beim Klassenerhalt helfen, werde sicher nicht nur ich Dir ein Bier spendieren, Basti.

Vor der Nachspielzeit boten beide Mannschaften den Zuschauern eine rassige Kreisligapartie. Beide Teams spielten flott nach vorn, ohne nennenswerte Chancen zu erspielen. Beide Abwehrreihen standen sicher. Unsere Innenverteidiger Clemens Dierks und Vincent Rudolph boten in Abwesenheit von Abwehrchef Kosta Panagiotudis eine hervorragende Leistung.
Florian Möller musste nach 23 Minuten das erste Mal eingreifen und konnte nach einem langen Ball auf die rechte Seite mit etwas Glück, aber gekonnt, abwehren.
Nach etwas mehr als 30 Minuten war es wieder mal Vincent Rudolph, der seinen SCH per Freistoß nach einem Foul an Tobias Giesecke in Führung brachte. Sein drittes Tor in den letzten vier Spielen. Das Tor war die Belohnung für die immer besser werdende Schuller-Elf. Aber die Freude währte nur bis zur 39. Minute. Nach einer unübersichtlichen Aktion im Mittelkreis blieb Serhat Akdas liegen. Schiri Sideras war scheinbar unentschlossen und ließ die Partie laufen, achtete aber auch auf das Geschehen im Mittelkreis und übersah so, dass Möller bereits die Hände am tief in den Raum gespielten Ball hatte, bevor Jonas Bärmer ihm das Spielgerät wieder aus den Händen spitzelte und zum 1:1 versenkte; aufgeheizte Gemühter waren die Folge.

Halbzeit. Ein paar Bälle schießen und den Eichsfelder Torwartnachwuchs beschäftigen. Gute Jungs dabei, nur warum sind das alles Wolfsburg-Fans?

Die zweite Hälfte begann der SCH stürmisch und Marvin Strauß bediente nach starkem Nachsetzen den mitgelaufenen Lukas Goslar, der kunstvoll mit der Hacke vollenden wollte, aber den Ball deutlich verfehlte. Wieder klasse nachsetzend versuchte es Marvin mit einer schönen Einzelaktion dieses mal selbst, schoss aber drüber. Auf der anderen Seite schoss Bastian aus etwa 20 Metern knapp am rechten Winkel vorbei. Dann musste der bereits verwarnte Niklas Nolte mit der Ampelkarte vom Feld und somit blieb dem SCH noch eine gute halbe Stunde, um in Überzahl wichtige drei Punkte einzufahren. Augenblicke nach dem Platzverweis hatte der in zuletzt guter Form spielende Stefan Gebauer die Einschusschance, scheiterte aber am Außennetz. In der Folge rannte die Schuller-Elf unentwegt an und drückte auf den Führungstreffer. Max Sommerfeld ackerte wie ein Wühlbüffel, Schüsse aus der zweiten Reihe verfehlten das Tor, Flanken und etliche Standards segelten in den Strafraum, aber es sollte nicht sein und am Ende blieb es beim 1:1, vielleicht auch wegen des Gedankenkreisels in Bastians Kopf.


Marcel Bernhardt


Für den SCH spielten: Möller - Giesecke, Rudolph, Dierks, Heitmüller - Henkel - Goslar, Sommerfeld, Akdas, Gebauer (N. Luthin) - Strauß

Bank: Geisler, Koch, M. Tutic, D. Kajevic, Bernhardt